Philanthropie in Europa – Das Philea Manifest 2024

18.01.2024 | 

Philanthropie, die Liebe zum Menschen, hat viele Gesichter. Gleiches gilt für die europäische Staatengemeinschaft, die nicht nur eine geografisch-kontinentale Zusammensetzung ist, sondern ebenso Austausch- und Diskursforum, manchmal Werteverbund und so vieles mehr. Jedoch stellen polarisierende Strömungen eine zunehmende und fortwährende Gefahr für die demokratischen Grundsätze Europas dar. Aus diesem Grund sind kooperative Ansätze wichtiger denn je, um gemeinschaftlich Brücken zu bauen, Dissonanzen zu überwinden und Potenziale zu entfalten. Neben den genannten Gefahren belasten auch Themen wie die Sorge vor bewaffneten Konflikten und die damit verbundene Inflation Staaten und Individuen gleichermaßen. Dabei zeigen Berichte, wie der kürzlich vom Fundraising Verband Austria veröffentliche Spendenbericht 2023 für Österreich, dass der Wille der Menschen sich füreinander zu engagieren ungebrochen ist und oft gerade Krisen die Bereitschaft zum philanthropischen Handeln stärken. So hat die dortige Spendenbereitschaft, trotz Teuerungen, ein Allzeithoch erreicht. Den Link zum Bericht finden Sie hier.

Philea, die Philanthropy Europe Association, der auch die Maecenata Stiftung angehört, setzt sich auf europäischer Ebene für den Stiftungsgedanken und die Philanthropie ein. Dabei lebt Philea durch ihr europäisches Netzwerk den europäischen Gemeinschaftsgedanken. Auf die Herausforderungen reagierend, welchen sich die europäische Gemeinschaft gegenübergestellt sieht, hat Philea Ende vergangenen Jahres ihr Manifest zur Philanthropie in Europa zum Jahr 2024 erneuert. Das Manifest soll politischen Entscheidungsträger:innen in Europa darlegen, welche positiven Potentiale und Effekte ein gemeinsamer Markt für Philanthropie mit sich bringen kann. Dabei geht es darum, dass verbesserte Rahmenbedingungen für die philanthropische Zivilgesellschaft vielfältige positive Effekte haben können. Beispielsweise könnten Philanthrop:innen auf diesem Weg effektivere Beiträge gegen nationalistischen Bestrebungen leisten, statt durch sie neue (alte) Hürden in den Weg gestellt zu bekommen.

Dabei beruft sich das Manifest auch auf das von 2020 bis 2023 generierte Momentum: Zunächst wird hier der Meilenstein genannt, dass die europäische Kommission den Gesetzesentwurf für transnationale europäische Vereine vorgelegt hat (siehe auch). Ebenfalls verweist der Bericht auf den EU-Aktionsplan für Sozialwirtschaft, mit dem Rahmenbedingungen für gerechten und nachhaltigen Wachstum geschaffen werden sollen (siehe auch). An dritter Stelle steht das Bekenntnis des europäischen Rates zur Rolle der Zivilgesellschaft als Verteidigerin fundamentaler Rechte in der europäischen Union (siehe auch).

Das Manifest erfasst die gegebenen Empfehlungen für einen einheitlichen Markt für Philanthropie aufgeteilt in vier Kernbereiche. Zunächst geht der Bericht auf die Befähigung ein, rechtssicheres philanthropisches Tun beispielsweise durch die Schaffung besserer rechtlicher Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Zweitens spricht das Manifest von mehr Partnerschaftlichkeit im Sinne des Gemeinwohls, ausgedrückt in vermehrten Kooperationen öffentlicher Institutionen und zivilgesellschaftlich-philanthropischer Organisationen. Im dritten Bereich verweist Philea darauf, dass die Bedeutung der Philanthropie als solche erkannt und anerkannt werden muss. Dafür sei es wesentlich, die philanthropisch Handelnden noch aktiver in strategische Prozesse einzubeziehen und ihre Position auch in einer repräsentativen europäischen Institution zu festigen.

Der vierte benannte Schlüsselaspekt ist, im Sinne unseres Programmes Transnational Giving, bessere Voraussetzungen für grenzübergreifendes Spenden zu schaffen. Es wird unter anderem als wesentlich erachtet, Richtlinien für die Steuerbefreiung gemeinnütziger Organisationen in der EU und für die sinnvollere Umsetzung von Nichtdiskriminierungsgrundsätzen zu schaffen. Darüber hinaus geht es um die bessere gegenseitige Anerkennung philanthropischer Organisationen in den jeweiligen europäischen Rechtsformen, sowie eine zügige Verabschiedung des Vorschlages der europäisch-grenzüberschreitenden Vereinigung.

In aller Kürze und Übersichtlichkeit bietet das Manifest Handlungsempfehlungen, stellt Potentiale vor und ist in Summe ein interessanter Denkanstoß für die Entscheidungsträger:innen Europas und solche, die mit ihnen arbeiten.

 Lesen Sie das ganze Philea Manifest 2024 in englischer Sprache hier.

 

 

Robin H. Ingold

Studentischer Mitarbeiter
ri@maecenata.eu

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