Der effektive Altruismus als neue Größe auf dem deutschen Spendenmarkt

Opusculum 137 | 01.06.2020 | Analyse von Spendermotivation und Leistungsmerkmalen von Nichtregierungsorganisationen (NRO) auf das Spenderverhalten. Eine Handlungsempfehlung für klassische NRO.

Kurzzusammenfassung

Der Effektive Altruismus (EA) ist eine im angelsächsischen Raum entstandene Philosophie bzw. Bewegung, die es für ethisch zentral hält, anderen aktiv zu helfen, indem die Anhänger so viel Gutes tun wie möglich. Das Spenden von Geld ist dabei das wichtigste Instrument. Im Fokus steht die Effektivität, die größtmögliche Wirkung einer Spende sowie eine hohe Reichweite. Einflussfaktoren auf den Spender, seine Einstellungen und Motive werden hierbei ausgeblendet und so spielen auch und gerade Emotionen im EA keine Rolle. Stattdessen werden betriebswirtschaftliche Rechnungen auf das Spenden angewandt. Darüber hinaus geht es im EA darum, ein möglichst ethisches Leben zu führen.

Die Bewegung ist seit wenigen Jahren auch in Deutschland angekommen und im Begriff, sich zu verbreiten. Der Einfluss auf klassische, etablierte Nichtregierungsorganisationen (NRO), bei denen auch andere Faktoren als die reine Effektivität einer Spende im Mittelpunkt stehen, ist bisher nicht untersucht worden. Der Spendenmarkt ist durch einen hohen Wettbewerb gekennzeichnet. Ein neuer Akteur, wie der EA, könnte diesen weiter intensivieren.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauszufinden, welchen möglichen Einfluss der EA auf den Spender, und damit auf den Spendenmarkt, in Deutschland hat. Es wird deshalb analysiert, welche Motivation Spender antreibt und welche Leistungsmerkmale der spendenemp-fangenden NRO ihre Entscheidung beeinflussen. Der Fokus liegt auf privaten Spendern und engagierten Unternehmen.

Der erste Teil der Arbeit besteht aus einer Literaturrecherche zum EA und stellt die theoretischen Grundlagen zum Spendenverhalten von Privatspendern und Unternehmen vor. Im Anschluss werden die aktuellen Daten des deutschen Spendenmarktes und die Trends vorgestellt. Der zweite Teil untersucht mithilfe von qualitativen Experteninterviews die hinter der Spendenhandlung stehenden Einstellungen und Motive.

Die Ergebnisse der Interviews ergeben einen geringen Einfluss des EA auf die Privatspender im Allgemeinen. Im Rahmen der empirischen Untersuchung lassen sich jedoch zwei von ins-gesamt fünf Spendertypen nach West identifizieren, bei denen die Werte und Charakteristika des EA zumindest eine gewisse Relevanz habe. Bei den Unternehmensspendern ist der Einfluss im Vergleich noch geringer. Beide Zielgruppen messen jedoch der Wirkung ihres Engagements Bedeutung zu.

Auf Grundlage des ersten und des zweiten Teils werden Handlungsempfehlungen für klassische NRO abgeleitet. Diese legen nahe, sich in einigen Aspekten des EAs zu bedienen, bedeutet von ihm zu lernen, sich jedoch in anderen Punkten gezielt von ihm abzugrenzen, um damit die eigene Position zu stärken.