Die Verwaltungskosten von Nonprofit-Organisationen

Opusculum 11 | 01.04.2003 | Ein Problemaufriss anhand einer Analyse von Förderstiftungen 

Zusammenfassung:

  1. Die öffentliche Diskussion und Meinung zu Verwaltungskosten von Nonprofit-Organisationen ist von Vorurteilen und Mißverständnissen geprägt. Dies ist auch der mangelnden Transparenz der Organisationen geschuldet.
  2. Der öffentliche Minimierungsdruck ist bei genauerer Betrachtung problematisch, da er nicht mit Grundsätzen von Effektivität kompatibel ist.
  3. Nonprofit-Organisationen haben definitionsgemäß keine bottom line. Sie sind nicht gewinnorientierte, sondern zielorientierte Unternehmungen. Ihr Erfolg mißt sich auch an Kriterien, die sich einer betriebswirtschaftlichen Beurteilung entziehen. Die Effektivität ist daher nur in Grenzen meßbar.
  4. Wissenschaftliche und praxisorientierte Vorarbeiten zur Effektivität existieren, zumindest in Deutschland, kaum. Aussagen hierzu können daher nur vorläufigen Charakter haben.
  5. Die getroffenen Aussagen beruhen im wesentlichen auf der Analyse unterschiedlicher Herangehensweisen und der für die Zwecke dieser Untersuchung durchgeführten empirischen Analyse der eigenen Berichterstattung von Förderstiftungen.
  6. Eine überraschende Erkenntnis ist, daß die Darstellung der Verwaltungskosten massiv davon beeinflusst ist, wer der oder die HauptStakeholder einer Organisation ist bzw. sind.
  7. Die Untersuchung hat gezeigt, daß strategische Unternehmensplanungen nach betriebswirtschaftlichen Methoden (Controlling), die vergleich bare Aussagen über Verwaltungskosten zulassen würden, jedenfalls in veröffentlichter Form nicht vorliegen und einerseits zwar möglich, andererseits aber für eine einzelne Organisation zu aufwendig wäre.
  8. Eine verbindliche oder auch nur weithin akzeptierte Definition von Verwaltungskosten fehlt. Die Zuordnung einzelner Positionen zu den Verwaltungskosten wird höchst unterschiedlich gehandhabt.
  9. Prozentangaben sind problematisch, da auch die Bezugsgrößen nicht feststehen.
  10. Wegen der genannten Defizite sind Rankings im Sinne eines Benchmarkings nicht möglich.
  11. Die satzungsmäßigen Verhältnisse und die Praxis der Unternehmensführung von Nonprofit-Organisationen sind so unterschiedlich, daß sie nicht sinnvoll verglichen werden können. Dies gilt auch für den eng begrenzten Bereich der Förderstiftungen.
  12. Unter Berücksichtigung der genannten Schwierigkeiten wurde für die Zwecke dieser Untersuchung eine Definition von Bezugsgrößen und Verwaltungskosten entwickelt, die folgende Aussage zuläßt: Verwaltungskosten von 10 bis 20 % des Gesamtbudgets erscheinen im Durchschnitt mehrerer Jahre als angemessen. In diesen Kosten sind die Kosten des Projektmanagements im wesentlichen enthalten. Eine genauere Eingrenzung ist nur möglich, wenn Einflußfaktoren (z.B. Struktur der Mittelherkunft, Komplexität der Zweckverwirklichung, satzungsmäßige Zielbeschreibung, Externalisierung von Kosten, Einsatz ehrenamtlicher Führungs- und Hilfskräfte usw.) in die Beurteilung einfließen.

Dr. Rainer Sprengel

Autor
Fellow am Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft
kommunikation@maecenata.eu

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Rupert Strachwitz

Dr. phil. Rupert Graf Strachwitz

Vorsitzender des Vorstandes der Maecenata Stiftung
Direktor des Maecenata Instituts
rs@maecenata.eu

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