Transnational Giving Newsletter 2020

Mit Hilfe zweckgebundener Spenden werden im Rahmen des Programms Transnational Giving weltweit Projekte von gemeinnützigen Organisationen gefördert. Mit dem Programm werden Hürden des grenzüberschreitenden Spendens effektiv beseitigt und somit philanthropisches Handeln über nationale Grenzen hinweg gefördert. Die Stiftung begleitet in diesem Sinne auch deutsche gemeinnützige Körperschaften dabei, Spenden aus dem europäischen Ausland und aus den USA zu erhalten. Mit diesem seit 2001 laufenden Programm ergänzt und unterstützt die Stiftung ihren Arbeits- und Forschungsschwerpunkt ‚Theorie und Praxis der internationalen Zivilgesellschaft’ im Maecenata Institut und ihr zivilgesellschaftliches Aktionsprogramm ‚Europa Bottom Up‘.

SPENDEN AUS UND NACH DEUTSCHLAND

Maecenata ist nunmehr seit fast 20 Jahren der deutsche Partner im Netzwerk Transnational Giving Europe. In dieser Zeit haben sich die Anforderungen und Bedingungen der Hilfestellung für transnationales Spenden fundamental verändert. Nicht zuletzt haben europäische und deutsche gesetzliche Bestimmungen über Steuer-hinterziehung, Geldwäsche und Terrorismus-finanzierung, die laufend verschärft werden, dafür gesorgt, dass die Überprüfung von möglichen SpenderInnen und EmpfängerInnen heute umfangreicher und eingehender ist als zu Beginn. Neben der Beachtung zahlreicher Vorschriften geht es dabei auch um die Sensibilisierung aller beteiligten MitarbeiterInnen für die Gefahren, die im Extremfall mit einer Förderung verbunden sein können. Nach unserem besten Wissen und Gewissen hat eine von der Maecenata Stiftung entgegengenommene Spende noch nie der Steuerhinterziehung oder Geldwäsche Vorschub geleistet; eine von der Stiftung auf Grundlage von zweckgebundenen Spenden bewilligte Förderung hat noch nie der Finanzierung von Terrorismus gedient. Im Berichtsjahr hat die Stiftung dennoch erneut Anstrengungen unternommen, um dies in jedem Fall auszuschließen. Eine formelle Compliance-Regelung für die Abläufe der Akkreditierung, des Transfers und der Berichterstattung wurde 2019 entwickelt und 2020 vom Stiftungsrat verabschiedet.

Darüber hinaus nutzt die Stiftung ihre Mitgliedschaft im European Foundation Centre dazu, an entsprechenden Diskursen und Debatten teilzunehmen.

Außerdem pflegt sie eine enge und vertrauensvolle Partnerschaft zu den anderen PartnerInnen im Netzwerk, koordiniert durch einen Network-Manager mit Arbeitsplatz bei der belgischen King Baudouin Foundation, und arbeitet stetig an der Abwehr von Gefährdungen, aber auch an der Verbesserung der Möglichkeiten des transnationalen Spendens in Europa. Die Partnerschaft ist nach wie vor für die Arbeit in diesem Programm von unschätzbarem Wert; sie dient der Qualitätssicherung ebenso wie dem Informationsaustausch, der Weiterentwicklung des Programms und der gemeinsamen Reaktion auf Fragestellungen und regulative Maßnahmen. Der Spendenfluss selbst läuft allerdings inzwischen zum weit überwiegenden Teil bei der Maecenata Stiftung ebenso wie bei den großen Partnern im Netzwerk (Fondation de France, Fondation Roi Baudouin, Charities Aid Foundation) nicht mehr über das Netzwerk, sondern direkt an EmpfängerInnen außerhalb Europas.

Das TGE-Netzwerk hat jetzt ein Online-Portal geschaffen, über das die Organisationen ihre Profile verwalten, Anträge einreichen und Änderungen bekanntgeben können. Alle beteiligten Länderpartner können dadurch schnell und sicher kommunizieren und die neuesten Entwicklungen im gesamten Netzwerk teilen. Über dieses Tool des TGE-Netzwerks führen Organisationen internationale Spendenkampagnen durch, wodurch sie ihre Reichweite in ganz Europa vergrößern.

Spenden für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre Dame de Paris, die international beachtete Kampagne im Bereich des Profi-Fußballs ‚Common Goal‘ und die Zusammenarbeit mit dem internationalen Theaternetzwerk Fedora sind dafür drei gegenwärtig aktive Beispiele.

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Das Netzwerk umfasst heute 21 Länder mit je einer Partnerorganisation.

Wenn auch für die Maecenata Stiftung die Förderung ausländischer Organisationen durch deutsche SpenderInnen bei weitem den größten Anteil hat, lassen sich auch deutsche gemeinnützige Organisationen im TGE Netzwerk als Empfängerpartner registrieren und können darüber einfacher Spenden aus dem europäischen Ausland einwerben.
Mehr dazu online unter: www.transnationalgiving.eu

ZAHLEN UND DATEN IM ÜBERBLICK
Daten aus dem Transnational Giving Europe Netzwerk 2019

Innerhalb des TGE-Netzwerks nahmen die Spendeneingänge weiter zu. In den letzten 10 Jahren lag der Spendenzuwachs bei knapp 11 Millionen Euro (2019:13,8 Mio. Euro, 2009: 3 Mio. Euro). Diese Entwicklung ist mitunter das Resultat zunehmender Bekanntheit und Reputation des Netzwerks im internationalen Kontext. Ebenso trägt der Anstieg der Mitgliedsländer zu diesem erfreulichen Trend bei.

Rund ein Viertel (25,5 %) der Spendeneinnahmen von 13,8 Millionen Euro wurden von 684 deutschen Spenderinnen und Spendern gestellt.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 3,5 Mio. Euro an Spenden im TGE-Netzwerk umgesetzt. Im europäischen Vergleich wurde nur im Vereinigten Königreich (UK) mehr zur Förderung von Projekten im TGE Netzwerk gespendet (4,1 Mio.).

Die Tätigkeitsbereiche variieren: 30% der Summe wurden zur Förderung der Bildung und Erziehung verwendet. Dem folgen Spenden im Bereich Kultur, worunter u.a. kulturelle Veranstaltungen, Erhalt und Restaurierung von Kulturstätten sowie die Unterstützung sonstiger kultureller Einrichtungen, wie z.B. Opernhäuser zählen (2018 9% der Fördermittel, 2019 >25%).

Mit den 3,5 Millionen Euro von SpenderInnen aus Deutschland wurden insgesamt 135 Organisationen gefördert. Die 23 in Deutschland ansässigen Empfängerorganisationen erhielten aus den europäischen Partnerländern hingegen lediglich ca. 270.000 Euro. Dies zeigt, dass deutsche Organisationen noch Entwicklungspotenzial bei ihren Bemühungen bei Spenden aus dem Ausland haben. Diesen Bereich zu stärken wird ein zusätzlicher Fokus für die künftige Entwicklung des TG Programms sein.

DATEN AUS DEM TRANSNATIONAL GIVING PROGRAMM
Verteilung der Fördermittel nach Empfängerland

 

Die erhaltenen Großspenden dominiert die Darstellung der ausgeschütteten Fördermittel nach Land. So gingen insgesamt 81% der Fördermittelsumme (insgesamt 23,58 Millionen Euro) in die USA. Die über das Transnational Giving Europe Netzwerk vermittelten Förderzahlungen in Europa machten 12% (3,34 Mio. Euro) des Fördervolumens aus. Das als UN-Organisation gesondert betrachtete World Food Programme der Vereinten Nationen erhielt rund 4% (1,21 Mio. Euro) der ausgezahlten Fördermittel.

Um den Einfluss der wenigen großen Einzelspenden in der Darstellung zu reduzieren, wurden in der folgenden Grafik Spenden über 500.000 Euro ausgespart. Damit erhält man einen besseren Eindruck davon, wofür ein Großteil der Spenden bestimmt ist.


Wie die bereinigte Darstellung der Fördermittelverteilung zeigt (auf der nächsten Seite), sind Förderungen innerhalb Europas über das Netzwerk Transnational Giving Europe mit 50% der Fördersumme der Hauptbestandteil des Programms. Diese 50% teilen sich in Förderungen von Organisationen in Belgien (0,84 Mio. Euro), Großbritannien (0,80 Mio. Euro), Frankreich (0,77 Mio. Euro), der Schweiz (0,66 Mio. Euro) sowie den restlichen TGE-Ländern (0,31 Mio. Euro).

Auch in der bereinigten Darstellung sind 20% der Spenden weiterhin für Organisationen mit Sitz in den USA bestimmt.18% gingen an das UN-World Food Programme.

Jahresbilanz Transnational Giving

Im Berichtsjahr wurden 8.483 Einzelspenden (2018: 7.650) in Höhe von insgesamt 29,62 Millionen Euro an das TG Programm getätigt. 1.945 SpenderInnen (2018: 2.300) nutzten das Angebot der Maecenata Stiftung. Gestiegen ist der Anteil der Mehrfachspendenden. Seit 2015 haben 7.450 Personen, Organisationen oder Unternehmen mindestens einmal an das Transnational Giving Programm gespendet. Wie schon in den Jahren 2012, 2017 und 2018 erhielt die Stiftung große Einzelspenden, die in der Abbildung der Entwicklung des Spendeneingangs gesondert dargestellt werden. Die Zuwendung in Höhe von 7,18 Millionen Euro erhielt die Harvard Universität in den USA zur Instandsetzung eines Studierendenwohnheims des Lowell House-Komplexes auf dem Campus.

Trotz gesonderter Darstellung (gelbe Balken *19 und *19/2) der beiden Großspenden zeigt das sonstige Spendenaufkommen von 13,62 Millionen Euro ein deutliches Wachstum und einen erneuten Spitzenwert im Jahresvergleich.


Spendeneingang 2009 – 2019 im Transnational Giving Programme (Quelle: Eigene Darstellung)

Christian Schreier

Christian Schreier

Sozialwissenschaftler
Geschäftsführer der Maecenata Stiftung
General Manager of the Maecenata Foundation
Programmleiter Transnational Giving
csc@maecenata.eu

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