Erinnern für die Zukunft. Auf dem Weg zu einer europäischen Erinnerungskultur

Europe Bottom Up-Nr.3 | Erinnern für die Zukunft. Auf dem Weg zu einer europäischen Erinnerungskultur

I. 1939 – Erinnerung

Auf dem ersten Podium dieser Konferenz wird das Thema »1939 – Erinnerung« zur Debatte gestellt. Dazu referieren Prof. Dr. Małgorzata Omilanowska, Historikerin an der Universität Danzig mit einem Schwerpunkt auf Architektur, Prof. Dr. Wojciech Wrzesiński, Historiker von der Universität Breslau und Prof. Dr. Christoph Kleßmann, Historiker für Zeitgeschichte von der Universität Potsdam. Die Moderation dieser Sektion übernimmt Dr. Petra Lidschreiber, Ressortleiterin Mittel- und Osteuropa beim Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Die Erinnerung an 1939 ist kein leichtes Thema – so Lidschreiber – denn, je weiter man sich zeitlich von diesem Jahr entfernt, desto weiter wächst das Thema an und umso deutlicher zeigt sich, wie groß die Unkenntnis davon ist. Mithilfe des hochkarätig besetzten Podiums soll nun in dieser Sektion versucht werden, das zu identifizieren und zusammenzufassen, was nötig ist, um Erinnerung aufrecht zu erhalten. Das ist wichtig, um die Zukunft der jeweiligen Länder, insbesondere die gemeinsame Zukunft als auch die Zukunft Europas zu gestalten und dabei zu verhindern, dass jemand sagen könne, dies hätte er nicht gewusst oder jenes gehe ihn nichts mehr an.

Die erste Frage von Petra Lidschreiber richtet sich an Wojciech Wrzesiński, der seit vielen Jahren als Historiker an der Breslauer Universität tätig ist. Dieser hat in einer seiner Publikationen die Frage »Nachbar oder Feind? «, bezogen auf das deutsch-polnische Verhältnis, aufgeworfen. Welche Überlegungen stehen hinter dieser Frage? Wrzesiński erklärt, dass Erinnerung für Historiker ein problematisches Feld darstellt. Eigentlich sind drei Termini zu berücksichtigen: Einerseits gibt es die Tradition, andererseits die Geschichte und als drittes die Erinnerung. Die Erinnerung wird nicht direkt von Problemen beeinflusst die mit der Vergangenheit zusammenhängen, aber es gibt eine ziemlich deutliche Kombination oder gar Manipulation durch die Gegenwart. Beide sind eng miteinander verbunden. Die Geschichte wirkt auf die Herausbildung der Erinnerung ein, dabei werden die Probleme, die sich der Gegenwart unterordnen zu einem Bestandteil der Erinnerung. Mit anderen Wort bedeutet das: Wenn man über Erinnerung spricht, spricht man auch automatisch über die Gegenwart. Beides steht miteinander in einer Wechselbeziehung.

Christian Schreier

Christian Schreier

Sozialwissenschaftler
Geschäftsführer der Maecenata Stiftung
General Manager of the Maecenata Foundation
Programmleiter Transnational Giving
csc@maecenata.eu

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