Skip to main content
Opusculum

Die Finanzierung feministischer und gleichstellungs-orientierter Zivilgesellschaft

von Siri Hummel, Laura Pfirter, Julian Kleeberg

Feministische und gleichstellungsorientierte Organisationen leisten einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland. Zu ihrer finanziellen Situation liegen bislang jedoch kaum systematische Daten vor – anders als etwa in Frankreich oder Großbritannien, wo die Finanzierung dieses Feldes bereits detaillierter untersucht wurde.

Diese Lücke adressiert der erste Teil einer neuen Studienreihe: „Nachgezählt: Die Finanzierung feministischer und gleichstellungsorientierter Zivilgesellschaft“ rekonstruiert systematisch, welche Akteur*innen in Deutschland in diesem Feld aktiv sind, und untersucht ihre Ressourcenausstattung.

Teil eins der Studie stützt sich dafür auf drei Quellen: eine Kartierung über das Zuwendungsempfängerregister (ZER), eine Umfrage unter informellen Akteur*innen sowie eine Sonderauswertung des ZiviZ-Survey, einer bundesweiten Befragung der organisierten Zivilgesellschaft.

Die Analyse des ZER zeigt, dass 0,6 Prozent der gelisteten zivilgesellschaftlichen Organisationen den steuerbegünstigten Zweck „Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ verfolgen. Eine ergänzende Schlagwortsuche identifiziert weitere einschlägige Organisationen, sodass sich der Anteil auf 1,2 Prozent erhöht. Im ZiviZ-Survey geben 0,7 Prozent der rund 12.800 befragten Organisationen an, Frauen und Mädchen als alleinige Zielgruppe zu haben.

Die Studie ordnet diese Zahlen ein: Der Zweckekatalog der Abgabenordnung bildet das Feld demnach nur eingeschränkt ab, da zahlreiche Organisationen, für die Gleichstellung ein zentraler Arbeitsschwerpunkt ist, formal anderen Zwecken wie Jugendhilfe, Bildung oder Kunst und Kultur zugeordnet sind.

Zur finanziellen Lage stellt die Studie fest: Die untersuchten Organisationen verfügen über vergleichsweise kleine Budgets und eine im Vergleich zu anderen Handlungsbereichen der Zivilgesellschaft geringere Diversifizierung ihrer Finanzierungsquellen. Formell organisierte Akteur*innen finanzieren sich vor allem über Mitgliedsbeiträge und private Spenden, informelle Akteur*innen überwiegend über Spenden von Privatpersonen und Unternehmen; öffentliche Fördermittel spielen in beiden Fällen eine vergleichsweise geringe Rolle.

Die Autor*innen halten fest, dass sich wachsende rechtliche und rhetorische Bekenntnisse zur Geschlechtergerechtigkeit bislang nicht in entsprechenden Fördersummen niederschlagen, und plädieren für eine verbesserte Datengrundlage zu diesem Themenfeld. Weitere Teile der Studienreihe folgen.

Diese Studie ist ein gemeinsames Projekt der Maecenata Stiftung, von FAIR SHARE of Women Leaders e.V., filia.die frauenstiftung und Karin Heisecke (Änderwerk).

Schlagwörter