Weltwärts im Kontext I und II: der entwicklungspolitische Freiwilligendienst im Vergleich zu staatlichen Instrumenten der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit

Opusculum 123 und 124 | 02.01.2020 | Mit der Veröffentlichung dieser Ergebnisse im Rahmen zweier Working Paper in der Opuscula Schriftenreihe des Maecenata Instituts sollen die relevantesten Erkenntnisse zur entwicklungspolitischen Freiwilligensdiensten der Öffentlichkeit kompakt zugänglich gemacht werden

Einleitung[1]

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts ermöglicht jedes Jahr mehr als 4000 jungen Erwachsenen[2] einen gemeinwohlorientierten Lern- und Austauschdienst im Globalen Norden oder im Globalen Süden. Der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) geförderte Dienst versteht sich als „non-formale[r] entwicklungspolitische[r] Lern- und Bildungsdienst, der umfassende Möglichkeiten des ´Globalen Lernens´ eröffnet“ (BMZ 2016, S. 3)[3]. Der Freiwilligendienst soll außerdem einen Beitrag zur Stärkung der zivilgesellschaftlichen Strukturen in den Partnerländern wie auch in Deutschland leisten (vgl.: BMZ 2016, S. 4).

Weltwärts feierte im Jahr vor der Veröffentlichung dieses Papers sein 10jähriges Bestehen. Seit Programmauflage hat das Programm einen konzeptionellen und paradigmatischen Wandel erfahren, der sich insbesondere im Anspruch als ein Lern- und Partnerschaftsprogramm zeigt. In der aktuellen Konzeption nimmt man Abstand vom ursprünglichen Motto „Lernen durch tatkräftiges Helfen“ (BMZ 2007, S. 4) und stellt den Lern‑, Austausch- und Partnerschaftscharakter in den Vordergrund (vgl.: Richter/Fischer 2018).

Neben weltwärts gibt es in Deutschland weitere staatlich geförderte internationale Jugendfreiwilligendienste, die auch als Lerndienste konzipiert sind und teilweise mit denselben Partnerländern zusammenarbeiten. Außerdem verfügen zahlreiche andere OECD-Länder über ähnliche Freiwilligendienste, die auch entwicklungsbezogen, also in der sog. Entwicklungspolitik verortet sind.  In welchem Kontext weltwärts zu diesen Programmen steht, welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede sich in den Zielen, Umfang und Umsetzung zeigen, beantwortet das vorliegende Working Paper.

Die hier vorgestellten Ergebnisse wurden im Rahmen einer Auftragsarbeit für das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) durchgeführten Evaluierung „weltwärts-Freiwillige und ihr Engagement in Deutschland“ (Polak et. al 2017) erstellt. Sie diente den Evaluator*innen als Kontextanalyse zur Verortung des Programms. Die Ergebnisse der Gesamtstudie trugen wesentlich zur Beantwortung der Evaluierungsfragen hinsichtlich der nationalen und internationalen Einordnung des Programms bei und flossen an verschiedenen Stellen in den Evaluierungsbericht ein. Mit der Veröffentlichung dieser Ergebnisse im Rahmen zweier Working Paper in der Opuscula Schriftenreihe des Maecenata Instituts sollen die relevantesten Erkenntnisse der Öffentlichkeit kompakt zugänglich gemacht werden.

Das erste hier vorliegende Opusculum verortet den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts im Kontext internationaler Jugendfreiwilligendienste auf nationaler Ebene in Deutschland sowie im Kontext von anderen entwicklungsbezogenen Freiwilligendiensten auf internationaler Ebene. Das zweite Working Paper, ebenfalls in dieser Reihe erschienen, untersucht weltwärts im Kontext anderer Instrumente entwicklungspolitischer Bildungsarbeit auf nationaler Ebene in Deutschland (vgl. hierzu Opusculum 124: Richter/ Haas 2019).

Dieses Paper ist wie folgt gegliedert: Im nächsten Kapitel wird zunächst die Historie und das Konzept des weltwärts-Programms kurz erläutert, um den Gegenstand der Studie zu beschreiben. In Kapitel 3 wird das methodische Vorgehen beider Studien erläutert. Kapitel 4 und 5 präsentieren die Ergebnisse der Analyse zur Verortung von weltwärts im Kontext anderer internationaler Freiwilligendienstprogramme. Kapitel 6 fasst die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zusammen.

[1] Die hier vorgestellte Studie umfasst Ergebnisse, die von den Autor*innen im Rahmen der 2017 abgeschlossenen Evaluierung „weltwärts-Freiwillige und ihr Engagement in Deutschland“ für das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) durchgeführt wurde.

[2] 2016/2017: 3864 Nord-Freiwillige, die in den Süden entsendet wurden (Polak et. al 2017, S.16) sowie 734 Süd-Freiwillige, die in den Norden entsendet wurden (vgl. BMZ 2017, S. 4)

[3] Vgl. hierzu auch die empirische Forschung von Richter (2014 und 2018).